Unternehmensnachfolge: „Alle Neune!“

BKS Bowling- & Kegelbahn-Service Köln (vormals Hennef)

Robert Wermuth mit seinem Nachfolger Marco MigliorisiWas genau macht ein Kegelbahnservice? Das wissen nur Gastronomen, die eine Kegelbahn betreiben. Denn von Zeit zu Zeit sind Reparaturen, Sicherheitsprüfungen oder Sanierungen nötig. Dafür sorgt der BKS Kegelbahnservice. Dass dies auch in Zukunft so bleibt, ist der Nachfolgesuche von Robert Wermuth zu verdanken. Und die war nicht einfach.

Die lange Bahn vor sich. Neun Kegel werden ausgerichtet. Der Ball wiegt schwer in der Hand. Nun gilt es: Alle Neune auf einmal umzuwerfen ist das Ziel. Oder zumindest ein sogenanntes Bild zu kegeln und Punkte zu bekommen. Auch wenn der erste Versuch misslingt, ist das nicht tragisch, denn es gibt ja mehrere Anläufe.

So selten wie alle Neune beim Freizeitkegeln schien auch das Interesse für den eingesessenen Hennefer BKS Kegelbahnservice. Das war die Erfahrung von Robert Wermuth, der das Unternehmen abgeben wollte. Insgesamt war er zwölf Jahre lang für die langen Bahnen in der Region und im Umland zuständig. Und das hieß: Schwere Geräte zu den Kegelbahnen transportieren, meist in den Keller hinuntertragen, Schleifarbeiten, Reparaturen an Technik und Holz. Nach einem Sportunfall war klar, dass er dieses Geschäft nicht mehr bis zur Rente bewältigen konnte.

Also begann die Suche nach einem geeigneten Nachfolger. „Ich habe alle Kanäle angezapft. Angefangen von der IHK Bonn/Rhein-Sieg über die Handwerkskammer, Nachfolgebörsen über die Kunden bis hin zum privaten Umfeld. Besonders bei den Kunden haben alle mitgesucht, denn Spezialisten für Kegelbahnen sind selten geworden und die Kunden sind auf den Service angewiesen“, erzählt Wermuth. 

Er selbst hatte das Geschäft von einem Nachbarn übernommen, der damals auf Nachfolgersuche war. Dessen Vater hatte den Kegelbahnservice vor rund einhundert Jahren gegründet. Für Wermuth war die Option der Unternehmensnachfolge nach einer Karriere als Führungskraft sehr attraktiv. „Ich wollte einfach nur noch für die Fehler einstehen, die ich selbst gemacht hatte“, beschreibt er einen Vorteil des selbstständigen Arbeitens.

Persönlicher Einsatz gefordert

Nun stand Wermuth selbst vor der Aufgabe der Unternehmensnachfolge. „Es gab einige Interessenten, ich habe immer angeboten, dass sie mit mir mitfahren und das Geschäft live miterleben können.“ Dass dies persönlichen Einsatz, viel Know-how und auch Kraft erfordert, hat Interessenten abgeschreckt. „Meinen Job kann man nicht von München aus mit Angestellten erledigen, da muss man schon selbst ran“, sagt Wermuth. Als nächste Stufe hat er dann im Bekanntenkreis nachgeforscht. 

Da kam Marco Migliorisi ins Spiel. Der ausgebildete Einzelhandelskaufmann hatte mit Ende Vierzig Lust, etwas Neues anzufangen. Er schaute sich das Alltagsgeschäft genau an, begleitete Wermuth zu den Kunden. „Das fühlte sich von Anfang an gut an, besonders die vertrauensvollen und engen Kundenbeziehungen haben mich überzeugt“, sagt Migliorisi. Natürlich habe er auch überlegt, ob er der körperlichen Arbeit gewachsen sei. Und ob der gesamte Nachfolgeprozess finanziell zu stemmen ist. 

Die Rechnung muss stimmen

„Der feste Kundenstamm ist sehr attraktiv “, war sein Fazit. „Für die Finanzierung habe ich mir online die Konditionen der Banken genau angeschaut. Da kommt es auf Details an. Außerdem war mir wichtig, wie ich mich persönlich absichere, zum Beispiel mit einer Ausfallversicherung. Ein Steuerberater hat bei der Umsetzung geholfen“, berichtet Migliorisi.

Schließlich stand der Entschluss und seit April 2026 ist Marco Migliorisi Geschäftsführer des Traditionsbetriebs. „Mit neuer Webseite und der Digitalisierung, zum Beispiel von Rechnungsprozessen, habe ich dem Unternehmen einen kleinen Modernisierungsschub verpasst“, sagt er. 

Dies sei auch wichtig, ergänzt Wermuth: „Denn der Markt wächst immer weiter. Marco hat über die Webseite wöchentlich zwei Kunden mehr, die sich melden. Es gibt immer weniger spezialisierte Betriebe wie unseren, das Einzugsgebiet wird größer.“ Was für Migliorisi auch weitere Fahrten bedeutet. „Das ist betriebswirtschaftlich ein sehr wichtiger Punkt, wie die Routen zu den Kunden organisiert werden. Denn während der Autofahrt verdiene ich nichts“, fügt er hinzu. Die Chancen auf eine weitere Expansion des Geschäfts stehen also nicht schlecht. 

Kegeln kommt wieder in Mode

Aber wie sieht es denn mit dem Kegeln grundsätzlich aus? Ist das nicht eher eine aussterbende Freizeitbeschäftigung? Bei jungen Leuten gibt es laut Wermuth eine wachsende Zahl von Kegel-Fans. „In Bowling-Centern ist die Gruppengröße auf acht Personen begrenzt. Es sind große Hallen, laut und teilweise unpersönlich. Für größere Gruppen, Junggesellenabschiede oder einfach Menschen, die gerne eine gute Zeit zusammen verbringen, sich bewegen möchten und dabei Spaß mit eigener Musik und individuellem Catering haben wollen, eignet sich Kegeln perfekt.“ Auch der Markt für Kegelbahnen hat sich konsolidiert: „Gab es früher sechs oder sieben Hersteller, sind es heute nur noch zwei. Dabei spüren wir das Wachstum selbst an der steigenden Zahl der Kundenanfragen.“

Nachfolgeprozess breit angehen

Auf die Frage nach Tipps für die Unternehmensnachfolge antwortet Wermuth: „Auf jeden Fall alle nur denkbaren Kanäle öffnen. Viele halten mit ihren Plänen hinter dem Berg, um dem Betrieb nicht zu schaden. Das habe ich anders gemacht und von Anfang an gesagt, dass ich übergeben möchte.“ Außerdem wichtig: „Sich professionell beraten lassen, aber auch auf persönliche Kontakte setzen. Das hat bei uns ja jetzt bereits zum zweiten Mal geklappt.“ Für Migliorisi war Transparenz über die betriebswirtschaftliche Seite ein wichtiges Kriterium für seine Entscheidung. 

„Die Investitionen in Fahrzeug, Maschinen, Kundenstamm, Marketing und Buchhaltung plus der Übernahmepreis muss sich für den Nachfolger lohnen. Das ist einfach eine kühle Rechenoperation. Bei uns hat es für beide Seiten gestimmt.“ Robert Wermuth ist froh über seinen Nachfolger: „Mit seiner Offenheit und seinem Talent für Kundengespräche ist Marco absolut der Richtige für den Job. Natürlich stehe ich immer noch im Hintergrund für Fragen zur Verfügung, das ist richtig partnerschaftlich. Ich möchte ja auch, dass es weiter gut läuft.“ Selbst will der Senior-Chef seine Zeit für seine vielfältigen Hobbys nutzen – und vielleicht auch auf der ein oder anderen Kegelbahn in der Region gesellige Stunden verbringen. Es müssen ja nicht immer alle Neune sein.

Dr. Susanne Hartmann, freie Journalistin, Köln

BKS Bowling- & Kegelbahn- Service Köln (vormals Hennef)
Geschäftsführer: Marco Migliorisi
Gründungsjahr: ca. 1926
Website:www.bks-koeln.de